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29.12.2014

Saarwirtschaft bleibt weiter auf Wachstumskurs

IHK: Im nächsten Jahr sind 1,5 Prozent Wachstum und 2.500 zusätzliche Arbeitsplätze möglich


„Nach zwei schwierigen Jahren war das Jahr 2014 für die saarländische Wirtschaft ein Aufholjahr. Wir rechnen für das jetzt zu Ende gehende Jahr mit einem Saar-Wachstum von knapp zwei Prozent, das heißt gut einem halben Prozentpunkt mehr als bundesweit. Entscheidend dazu beigetragen haben die Kernbereiche unserer Industrie, die von gedämpftem Niveau aus überdurchschnittlich zulegen konnten. Das gilt für den Fahrzeugbau, den Maschinenbau und mit Abstrichen auch für die Stahlindustrie. Erfreulich hat sich auch der Arbeitsmarkt entwickelt. Die Arbeitslosigkeit hat gegenüber dem Vorjahr weiter abgenommen. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten lag im September mit rund 2.300 Stellen über dem Vorjahreswert und erreichte mit insgesamt über 377.000 einen neuen Rekordstand.“ So bilanzierten IHK-Präsident Dr. Richard Weber und IHK-Hauptgeschäftsführer Volker Giersch die Entwicklung der Saarwirtschaft im Jahr 2014.

Verhalten positiv schätzt die IHK die Aussichten für das kommende Jahr ein. Die Weltwirtschaft werde weiter wachsen – mit einer Rate von rund drei Prozent. Starke Impulse dürften vor allem aus den USA, aus China und Indien kommen. Dagegen bleibe die Entwicklung im Euro-Raum und in einigen Schwellenländern wohl eher gedämpft. Aus dem Inland sei mit positiven Impulsen insbesondere vom privaten Verbrauch zu rechnen – auch weil der niedrige Ölpreis Kaufkraft für andere Produkte und Leistungen freisetze. Dr. Weber: „Wir sehen gute Chancen, dass die Kernbranchen unserer Industrie ihren Erholungsprozess fortsetzen können. Auch der Handel und die meisten Dienstleistungsbranchen dürften weiter leicht zulegen. Insgesamt erwarten wir für 2015 ein Saar-Wachstum in der Größenordnung von 1,5 Prozent. Das wäre erneut ein guter halber Punkt mehr, als der DIHK für den Bund prognostiziert. 2015 kann für das Saarland also das zweite Aufholjahr in Folge werden.“

Zuversichtlich ist die IHK auch für den Arbeitsmarkt. Giersch: „Wir erwarten einen weiteren Aufbau an Beschäftigung in der Größenordnung von 2.500 Stellen. Das wäre prozentual mehr als der DIHK bundesweit voraussagt. Schwierig abzuschätzen ist allerdings, wie viele Arbeitsplätze durch den Mindestlohn verloren gehen oder in die Schattenwirtschaft abwandern werden.“

Wachstumstreiber Industrie

Die IHK sieht die Saarwirtschaft aktuell weiter auf Wachstumskurs. Der Konjunkturmotor sei zwar durch die geopolitischen Krisen und die Konjunkturschwäche in Frankreich und Italien während der Sommermonate ins Stottern geraten. Doch gehe es weiter aufwärts – wenn auch mit gebremstem Schwung.

Wichtigster Wachstumstreiber war in 2014 die Industrie. Sie verzeichnete in den ersten drei Quartalen dieses Jahres ein Umsatzplus von 5,3 Prozent (Bund 2,2 Prozent) gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Während die Inlandsumsätze um 6,4 Prozent zulegen konnten, verbesserte sich das Auslandsgeschäft um 4,2 Prozent. Giersch: „Bemerkenswert ist der kräftige Einbruch der Ausfuhren in die asiatischen Länder um über 15 Prozent. Dieser konnte aber durch kräftige Zuwächse vor allem in den USA (plus 18 Prozent) mehr als ausgeglichen werden. Aus dem Euroraum kamen dagegen kaum Impulse (plus 1 Prozent).“

Innerhalb der Industrie legten vor allem der Fahrzeugbau (5,9 Prozent Umsatzzuwachs) und der Maschinenbau (+ 12,0 Prozent) zu. Auch das dritte Schwergewicht der Saarindustrie – die Stahlindustrie – konnte in diesem Jahr anders als die Stahlindustrie im Bund erstmals wieder zulegen. Giersch: „Dass sich die Stahlindustrie hierzulande besser entwickelt hat, ist vor allem der guten Autokonjunktur und der Stahlnachfrage der Maschinenbauer zu verdanken. Positiv wirkten sich auch die Fokussierung auf Hochqualitätsstähle, die konsequente Kundenorientierung und die hohe Fertigungsproduktivität aus.“

2015: Wieder stärkere Impulse vom Export

Mit Blick auf die aktuelle Auftragslage in der Industrie (plus 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr) und die künftige Entwicklung des nationalen und internationalen Umfelds zeichnet sich für das Saarland 2015 erneut ein überwiegend freundliches Konjunkturbild ab.

Bei den Exporten hält die IHK – nach der nur geringen Zunahme 2014 (rund 2 Prozent) – im kommenden Jahr einen Zuwachs in der Größenordnung von 5 Prozent für wahrscheinlich (Bund laut SVR: 3,6 Prozent). Hier spiele auch eine Rolle, dass die einstigen Sorgenkinder – die PIGS-Staaten (Portugal, Irland, Griechenland und Spanien) – inzwischen die Trendwende geschafft haben. In diese Länder gehen immerhin rund 10 Prozent der saarländischen EU-Exporte. Positive Impulse seien zudem vom privaten Verbrauch zu erwarten, der durch weitere Zuwächse bei der Beschäftigung und steigende Reallöhne gestützt wird. Von der Nachfrage nach Investitionsgütern dürften dagegen zunächst nur geringe Wachstumsbeiträge kommen. Insgesamt habe das Saarland im kommenden Jahr aber wieder gute Chancen, zu den wachstumsstärkeren Bundesländern zu zählen. Giersch: „Dabei kommen uns neben der steigenden Auslandsnachfrage auch der schwächere Euro und die gute Wettbewerbsposition des saarländischen Fahrzeug- und Maschinenbaus zugute.“

Die IHK betont, dass ihre insgesamt positive Prognose nur dann gilt, wenn Europa nicht in die Rezession zurückfällt, wenn sich die geopolitischen Krisen nicht weiter verschärfen und wenn die Bundesregierung den Arbeitsmarkt nicht zusätzlich reguliert.

Die Investitionslücke schließen!

Sorge macht der IHK die Investitionslücke in Deutschland (s. Grafik: Bei den Investitionen deutlich zurück). Die Investitionen des Staates und der Wirtschaft seien in den letzten Jahren hinter dem Niveau zurückgeblieben, das nötig sei, Deutschland auf einem nachhaltigen Wachstumskurs zu halten. Dr. Weber: „Die große Koalition in Berlin investiert zu wenig in den Erhalt und Ausbau unserer Infrastrukturen. Zudem haben die sozial- und arbeitsmarktpolitischen Reformen die Investitionsneigung der Wirtschaft gedämpft. Die Politik muss jetzt zügig vom Umverteilungsmodus in den Wachstumsmodus schalten. Die Wiedereinführung der degressiven Abschreibung wäre hier ein wichtiges Signal an die Wirtschaft.“

Dämpfend auf das Saar-Wachstum wirken sich, so die IHK, auch die Sparzwänge bei Land und Saar-Kommunen aus (s. Grafiken: Investitionsquote im Saarland weit unter Bundesschnitt und Deutlicher Investitionsrückstand seit 2012). Giersch: „Die Investitionen der öffentlichen Hand bleiben in unserem Land zunehmend hinter den Investitionen in den anderen Bundesländern zurück. Das hat negative Rückwirkungen auf das Saar-Wachstum. Deshalb und vor allem auch mit Blick auf die Standortqualität, muss die Politik hierzulande alles daran setzen, das Land und die Kommunen investitionsfähig zu halten.“ Hinzu komme, dass die Bevölkerungsentwicklung im Saarland demografisch bedingt jährlich um etwa ein halbes Prozent hinter der Bundesentwicklung zurückbleibe (s. Grafik: Drastischer Bevölkerungsrückgang an der Saar). Giersch: „Deshalb müssen wir alles uns Mögliche tun, das Saarland zum Zuwanderungsland zu machen.“

Beschäftigung steigt 2015 trotz Mindestlohn weiter an

Der saarländische Arbeitsmarkt hat sich in den vergangenen drei Jahren trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds bemerkenswert gut entwickelt. Die Beschäftigung ist im Trend kontinuierlich gestiegen und erreichte Ende September mit 377.000 sozialversicherungspflichtig Erwerbstätigen ein nie zuvor gesehenes Niveau (s. Grafik: Neuer Rekordstand bei der Beschäftigung). Fortschritte gab es auch beim Abbau der Arbeitslosigkeit. Die Zahl der arbeitslos gemeldeten Personen hat 2014 im Jahresschnitt gegenüber dem Vorjahr um rund 400 abgenommen. Hierzu hat auch beigetragen, dass das Angebot an Arbeitskräften demografisch bedingt gesunken ist.

Der Aufbau an Beschäftigung wird im kommenden Jahr nach Einschätzung der IHK durch das Inkrafttreten des gesetzlichen Mindestlohns gebremst. Giersch: „Damit wird ein Teilsegment des Arbeitsmarktes verriegelt, das in den vergangenen Jahren vor allem Geringqualifizierten gute Einstiegschancen in die Arbeitswelt geboten hat.“ Aus Sicht der IHK dürften die negativen Auswirkungen des Mindestlohns aber durch die positiven Konjunktureffekte mehr als wettgemacht werden.

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